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Schülerinnen und Schüler des Gymuns besuchen Willy Wonka in seiner Schock-oladenfabrik


Pokémon, eine retournierte Haut, die nicht recht passen wollte, Chevroletfahrten, stumme Schreie, Profitgier und Schweinebraten, gebrochene Versprechen, #me too, Quality time, Sahara und Urwald, Aufwachen, aufstehen, aufgeben; Gebete und Panik, tiefe Schnitte und Scham, „teeversprechende Gewitterstürme“,  betrunkene Helden zwischen ungespülten Tassen, Rastlosigkeit und rosa Tortenguss - in diese Abwechslung wurden die Gäste beim diesjährigen Munsteraner City-Slam getaucht.


Wer eine goldene Eintrittskarte hatte ergattern können, betrat am Samstag Abend zusammen mit 159 weiteren kleinen „Charlies“ die „Schock-oladen“- und Süßwarenfabrik von Willy Wonka alias Patrick Gerhardt, der zur „WorTortenschlacht“ anlässlich des diesjährigen City-Slam ins Bürgerhaus geladen hatte, welches hinter Zuckerwattegirlanden und Riesenlollis kaum mehr als solches zu erkennen war.

In seiner Eröffnungsrede klagte Gastgeber Willy Wonka noch über fade Gesichter, denen er mit „wackersteinschweren Gedanken“ drohte, welche er jedoch in „Zucker und Tortenguss“ zu hüllen versprach.

Und so entließ er das erwartungsvolle Publikum mit folgendem Rat in die WorTortenschlacht seiner Zuckerwarenfabrik:

„Auch wenn man nicht alles versteht – versuchen kann man es doch!“

Zuckersüß setzte sich der Abend fort, denn Willy Wonkas kleine Helferlein, die Oompa Loompas, geleiteten Conferencière Isabella Heydasch in den Saal.

Die Siegerin der beiden letztjährigen City-Slams begleitete das Publikum charmant durch den Abend und erklärte den Neulingen zunächst die Regeln des modernen Dichterwettstreits.

Zehn junge Dichterinnen und Dichter, die teilweise zum ersten oder zweiten Mal vor Publikum gesprochen haben, traten in zwei Blöcken gegeneinander an, aus denen von der zufällig zusammengestellten Publikumsjury jeweils zwei Slammer ins Finale gewählt wurden.

Unter den zehn Mutigen befanden sich vier Schülerinnen und zwei Ehemalige des Gymnasiums Munster.

Um den jungen Slammerinnen und Poeten ihre Scheu vor der Bühne zu nehmen, hatte Willy Wonka Profislammerin Jule Weber, die mehrfache Slammeisterin aus Bochum, in seine heiligen Hallen geladen, wo sie als „Opferlamm“ bereitwillig zwei ihrer Texte zum Besten gab.

Mit aussagekräftigen Vorträgen unterschiedlichster Art stellten sich anschließend die hiesigen Poeten beherzt der Bewertung ihrer Zuhörer.

Als besonders mutig stach hier Alina Böttger hervor, deren Text buchstäblich unter die Haut ging und für feuchte Augen sorgte.

Nele Storbeck (Jg. 12) warnte: „Wir sind Killer: wir tun denen weh, die wir lieben und lieben die, die uns weh tun!“ – wir sollten besser aufeinander aufpassen, denn ein „Leben am Limit“ sei nicht der richtige Weg.

Von steinigen Wegen handelte auch Fabian Fiscus‘ Text. Der Schneverdinger nahm seine Gäste mit auf einen Flug auf den Mond, bevor er mit seiner imaginären brennenden Gitarre selbst abhob, um „nach den Wolken zu greifen“.

Sabrina Petersen, sonst bekennende Pessimistin, ließ die Zeit stillstehen, als sie erklärte, „Warum [ihr] Leben vielleicht doch kein nicht enden wollendes Desaster ist“, und damit den Funken überspringen ließ, „der in jedem weiterglüht“.

Madita Meißner aus der 8a, mit 13 Jahren eine der beiden jüngsten Teilnehmerinnen im Wettbewerb, beschwerte sich über die Allüren „der Großen“ – soll das denn das Leben sein?! fragte sie provokativ – und bekam im Finale die Gelegenheit zu zeigen, dass sie die andere Seite des Lebens bereits für sich entdecken durfte, wenn sie dafür auch ziemlich genau hinsehen und im Hoffnungsschimmer einer Taschenlampe im hintersten Winkel suchen musste.

Unter dem Hashtag #metoo brillierte Magda Lena Quade (Jg. 12) couragiert mit einem Text über verirrte Schuld, Fehler im System und viel zu viele laut gesagte, ungehörte NEINs.

Auch Finn Behrens (Abi 2018) und Anna Piechaczek aus der 8a, 13 Jahre alt, lieferten mit einem Plädoyer auf die Unverstelltheit, auf ein Leben ohne Maske und Ausflüchte gekonnte Performances ab.

In der Pause sorgten Johanna Hampel (Jg. 12) und Dennis Dünschel von „Carlotta and the Truman-Show“ für musikalische Unterhaltung, während das Willy-Wonka-Catering des Bürgerhauses mit herzhaften wie süßen Naschereien und Getränken das leibliche Wohl aller Gäste sicherstellte.

In der Finalrunde traten Madita, Finn, Alina und Leah mit einem zweiten Text gegeneinander an. Eröffnete wurde wieder von Profi Jule Weber, die mit ihrem Text „Neue Haut“ über das Aufwachsen in kleinen Dörfern zum Munsteraner Publikum sprach: „Ich glaube an die stetige Veränderung des Denkens, ich glaube an mich“.

Sogleich stellte Madita Meißner ihre Fähigkeit im Wandel des Denkens unter Beweis, indem sie perspektivisch von „einem Menschen mit einer gefrorenen Seele“ zu „einem Menschen mit Hoffnung und einem kleinen Taschenlampenlicht“ wechselte.

Finn hingegen träumte dieses Mal von Champagnerkelchen und „Fame“ in den Hollywood Hills, hatte in diesen Glitzertraum jedoch geschickt eine Dankesrede auf Freunde und Familie verpackt.

Vom Ruhm träumte er dennoch zu Recht, den mit diesem Text und der gekonnten Vortragsweise gewann der Abiturient den vergoldeten Zuckertortenpokal und wurde nach Bekanntgabe des Ergebnisses von Willy Wonka persönlich zur „Zuckerschnute 2019“ gekürt.

Finns Schlusssatz: „Kämpft euren Kampf und freut euch auf morgen!“

Das Orgateam des Bürgerhauses, in dem sich ebenfalls Schüler und Ehemalige des Gymnasiums engagieren, hatte sich mächtig ins Zeug gelegt und so vor und hinter den Kulissen für reibungslose Abläufe gesorgt, sodass keiner der Gäste Willy Wonkas bedrohlicher Kaugummiziehmaschine zum Opfer fiel, sondern nach der Siegerehrung alle wieder unbeschadet und ein wenig wachgerüttelt in die Freiheit vor den Toren der Fabrik entlassen werden konnten.

Text und Fotos: Kerstin Reibe



 

Written by: Br 1 2019.03.01

 

 

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